demut und gelassenheit

Gähn

Der Schreck sitzt tief. Als wir letzten Donnerstag nach Hause kamen, kam uns Curtis aus Nachbars Garten stark humpelnd entgegen. Er kippte immer wieder über den rechten Hinterlauf weg, ganz genauso wie Sammy am Tag ihres Todes. Also den Kater flugs in die Transportkiste gepackt (das ging nicht ohne erheblichen Protest und wildem um sich Schlagen) und in die Notaufnahme der Tierklinik in Augsburg gebracht. Die nette Ärztin hat ihn vorsichtig untersucht, was sich der sonst so forsche Kerl ganz brav gefallen hat lassen. Nichts gebrochen, nichts ausgekugelt – so wie es aussieht, „nur“ ordentlich gezerrt. Wahrscheinlich hat er sich draufgängerisch und fern jeglicher Vorsicht gewaltig überschätzt und ist irgendwo beim herumspringen hängen geblieben. So wie neulich, als er im Garten eine große Libelle gejagt hat und volle Kanne mit dem Kopf gegen eine Öllampe gesprungen ist, die unverschämterweise zwischen ihm und der Libelle stand. Kurz vor Mitternacht waren wir dann wieder Zuhause, haben Jessie beruhigt, die ziemlich verunsichert drein geschaut hat, Curtis mit Schmerzmittel versorgt und den Rest der kurzen Nacht mehr oder weniger schlaflos verbracht.
Während er den Samstag großenteils schlafend verbracht hat, geht es ihm heute schon etwas besser. Er humpelt nicht mehr so schlimm, kippt nicht mehr um. Und klar: „Wenn’s nicht mehr so weh tut, kann ich ja wieder in den Garten und rumspringen, ey!“ :).

Räkel

Eigenartigerweise hat das Ereignis auch bei Jessie etwas ausgelöst. Seit Donnerstag Nacht kommt sie immer öfter von ihrem Regal herunter, sucht unsere Nähe, lässt sich streicheln, räkelt sich auf dem Sofa in der Küche. Naja, Küche ist klar: der einzige Raum im Haus, der in der kalten Jahreszeit garantiert warm ist; der Pelletofen schaltet sich zuverlässig ein und sorgt zumindest in der Küche für wohlige Wärme. Sobald allerdings am Abend der Bullerjan im Wohnzimmer für Gemütlichkeit sorgt, liegen beide irgendwo in der Nähe des Ofens. Ich bin gespannt, wie lange es noch dauert, bis das Gerangel um den besten Platz losgeht.

Gitte und ich dürfen uns in der Zwischenzeit in Demut und Gelassenheit üben. Die Machtlosigkeit angesichts eines humpelnden Katers, der sich alles andere als vernünftig verhält, das Unvermögen, die von wildem Fauchen und Knurren begleiteten gegenseitigen Attacken der beiden zu verstehen stellt immer wieder eine Herausforderung für uns dar. Und lässt sich in der Bewältigung wunderbar auf alles andere übertragen:

„Gib mir Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich zu ändern vermag, und gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.“ (Friedrich Oetinger (1702-82), dt. luth. Theologe)

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Regalkatze und Schrankkater

Beute

Es bleibt spannend mit unseren zwei Süßen. Wenngleich sich die Lage auch mehr und mehr beruhigt und sich ganz langsam so etwas wie Alltag einspielt – mehr oder weniger jedenfalls. Das Thema Unreinheit scheint Gott sei Dank erledigt zu sein, der neue Futon im Büro bleibt sauber. Was für uns nicht heisst, unbedarft nach Hause kommen zu können: letzte Woche war das erste „Geschenk“ für uns fein säuberlich auf dem hellen Baumwollteppich im Wohnzimmer trappiert. Wer von den Beiden die Spitzmaus gefangen hat, bleibt unklar; gelobt werden wollten Beide :). Gleich am nächsten Abend lagen dann 3 ganz junge Mäuschen an der gleichen Stelle – diese Mausfamilie scheint endgültig ausgerottet zu sein.

Schrankkater

Grossen Mut haben sie auch beim samstäglichen Hausputz bewiesen. So sehr sie der Anblick von Besen oder Wischmob (alles was einem Stock ähnelt) oder das Geräusch des Staubsauger die letzten Male noch erschreckt hat, so katzentypisch neugierig blieben sie dieses Mal in der Nähe und sind nicht geflüchtet. Macht ja auch viel mehr Spass, die Pfotenabdrücke auf dem gerade gewischten Boden zu hinterlassen ;-).

Während Jessie immer noch am liebsten auf ihrem Regal sitzt, folgt uns Curtis gerne auf Schritt und Tritt. Vor allem im Garten kommt er immer wieder zu uns her, holt sich einen Streichler ab, verschwindet wieder und taucht kurz darauf wieder auf. Er kommt sogar aus dem letzten Winkel angeflitzt, wenn wir ihn rufen. Das allerdings hat mit seinem Namen nicht viel zu tun, er reagiert auf fast jedes Zeichen.
Überhaupt ist das mit den Namen so eine Sache. So langsam haben wir unsere Zweifel, ob die vom Tierheim genannten Namen wirklich stimmen:

Regalkatze

Curtis lässt ihn ziemlich unbeeindruckt, Prince Charming ist zu lang, obwohl er sich sich so verhält, bei Bubi aber spitzt er jedes mal die Ohren. Na ja, ein Lausbub ist er ja, das passt ganz gut.

Auf Celeste reagiert sie kein bisschen, auch Jessie scheint es nicht zu treffen, genau so wenig wie alle anderen zweisilbigen Namen, die uns bislang so eingefallen sind. Madame Pompadur ist wieder etwas lang, doch Momo oder Luna scheinen vom Klang schon recht nahe an dem zu sein, was ihr vertraut ist.

Am ehrlichsten allerdings wäre es, die Beiden einfach Regalkatze und Schrankkater zu nennen, das sind nach wie vor ihre Lieblingsplätze. Wir testen weiter.

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angekommen

Mein Reich

Viel hat sich getan mit unseren zwei neuen Weggefährten. Aber schön der Reihe nach:

Der „begleitete Ausgang“ hat nicht lange funktioniert. Nach 4 Tagen hat sich Curtis eines Abends mit aller Macht gegen das geschlossene Fliegengitter zum Garten geworfen und vehement Ausgang gefordert. Also gut, Katzenklappe geöffnet, den Kater zum lernen einmal raus und einmal rein geschoben und los ging es. Die ersten 2 Stunden ist Gitte herzklopfend an seinen Fersen geblieben, weil der Herr Kater natürlich genau die Ecken erkundet hat, die wir ihm 4 Tage lang vorenthalten haben: Nachbars Garten, Nachbars, Hof, Nachbars … Irgendwann haben wir es aufgegeben, ihn zu überwachen. Er ist an dem Abend bestimmt 10 Mal raus und wieder rein, nicht ohne jedes Mal bei einem von uns vorbei zu kommen und laut maunzend die Anerkennung für seine Tapferkeit einzufordern :).

Relax

Für Madame Jessie war soviel Freiheit erst mal noch nichts. Sie hat uns dafür gleich noch einmal auf’s Sofa im Büro gekackt; ihre Art des Protestes. Den Futon habe ich nun endgültig entsorgt – war eh Zeit für einen Neuen. Nun ziert ein zusätzliches Katzenklo den Flur im im ersten Stock, auf dem Sofa liegt statt eines Futons erst einmal eine Plastikplane und eine kleine Schüssel mit Leckerli; wo es was zum Naschen gibt, wird nicht hin gekackt.
Sie hat dann recht schnell mitbekommen, wie Curtis auf magische Weise aus dem Bad verschwindet (da ist die Katzenklappe). Ein paar Tage später war sie dann Morgens einfach weg. Wir haben den Garten und die Nachbarschaft mit Taschenlampen abgesucht (früh um 5:30 Uhr ist es noch stock finstere Nacht), aber von Jessie weit und breit keine Spur. Als ich am Abend nach Hause kam, standen beide im Flur und haben laut nach Essen gemaunzt, als ob nichts gewesen wäre. Nun gut, für die Beiden war auch nichts, nur wir haben uns Gedanken gemacht.

Mittlerweile gehen beide aus und ein, wie es ihnen passt. Wobei Curtis deutlich lieber im Garten ist als Jessie. Die hat dafür den Schwingsessel mit dem Schafsfell für sich entdeckt, auf dem sie sich -zumindest von mir- ausgiebig verknuddeln lässt.

Auch die Rauferei und das überängstliche Gehabe hat ein Ende. Seit einer Woche bekommen beide ihre individuelle Bachblütenmischung und fühlen sich sichtlich wohler und entspannter. Und damit gewinnen auch wir wieder ein Stück Ruhe zurück, hat sich unser Leben doch die letzten Wochen so gut wie ausschliesslich um die Katzen gedreht.

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rolling stones

Eine neue Welt – Curtis auf Entdeckungstour

Gute 2 Wochen haben wir unsere beiden Katzen nun und noch immer hält jeder Tag neue Überraschungen für uns bereit. Den Wechsel des Tagesrythmus -wir sind seit Montag beide wieder am Arbeiten und kommen erst am Abend nach Hause- haben sie gut verkraftet. Sobald wir nach Hause kommen, stehen die Zwei in der Küche und wollen was zum Futtern. Jessie ist nach wie vor sehr ängstlich, aber sie traut sich jeden Tag ein Stückchen näher heran, rennt nicht mehr sofort weg. Und so zwei, drei Mal hat sie sich auch schon richtig streicheln lassen und das auch offensichtlich genossen. Curtis hingegen fordert seine Streicheleinheiten nicht mehr ganz so energisch ein, ist ein bisschen ruhiger geworden. Und er lässt den Chef raus hängen, liegt wie der Pascha auf der Sofalehne oder dem Schreibtisch – und macht auf eifersüchtiger Kater!

Zu viel des Guten – Jessie an der Schwelle zur Freiheit

Sobald einer von uns mit Jessie spricht, kommt Curtis aus dem letzten Winkel angetrabt und verscheucht sie. Wild fauchend und knurrend jagen die beiden durch’s Haus, bis Jessie sich versteckt und er unsere ungeteilte Aufmerksamkeit alleine hat. Und dieses Verhalten wird von Tag zu Tag schlimmer. Sie verletzen sich nicht, es fliegen keine Fellbüschel, doch Katerchen scheint immer mehr Angst zu haben, zu kurz zu kommen. Wir lassen die beiden gewähren, das müssen sie unter sich ausmachen. Zudem würde ein Einschreiten die Situation nur verschärfen: ob wir Curtis bremsen oder Jessie beschützen, in beiden Fällen „bestätigen“ wir seine Angst nur noch. Uns gefällt das Ganze gar nicht und wir wissen auch nicht so recht, wie wir damit umgehen sollen. Jetzt gibt es erst mal Bachblüten für den unsicheren Kater, mal sehen, wie sich alles entwickelt.

Gestern haben wir den ersten Freigang-Versuch gewagt. Die beiden sitzen oft in der Küche und schauen sehnsüchtig und neugierig durchs Katzengitter in den Garten. Curtis hat auch schon lange den -momentan noch verschlossenen- Katzenausgang entdeckt, der uneingeschränkten Zugang zum Garten erlaubt. Und so haben wir am frühen Abend die Tür zum Garten offen gelassen, hoffend, dass der Hunger die zwei schon nach Hause treiben wird.
Curtis hat recht schnell die Gelegenheit ergriffen und vorsichtig die neue Welt erkundet. Tief gebückt und immer auf der Hut war nicht mehr viel übrig vom Rambo, den er in der mittlerweile vertrauten Umgebung des Hauses abgibt. Zielsicher hat er auch gleich die einzigen Lücken im Zaun entdeckt, die aus dem Garten ohne grosse Sprünge hinaus führen. Ich weiss nicht, wer mehr Angst hatte: der kleine Kater oder Gitte und ich :D.

Jessie hingegen blieb lange an der offenen Türe sitzen und hat sich gründlich überlegt, ob sie da wirklich raus will; so viel Freiheit auf einmal will verkraftet sein. Schliesslich hat sie sich dann doch einige Schritte hinaus gewagt und vorsichtig die neue Welt beschnüffelt. Das Abenteuer hat die beiden sichtlich erschöpft und so war nach dem Fressen der Abend recht friedlich – die zwei haben schnell geschlafen.

Es ist alles ein bisschen anders, als wir uns das vorgestellt haben. Doch das haben die Rolling Stones schon vor vielen Jahren gesungen: „You can’t always get what you want. But if you try sometime you will find, you always get what you need.“. Noch wissen wir nicht, was die zwei uns lehren werden.

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Katzenkino

Das Unschuldslamm

Eine Woche sind die Beiden nun bei uns und aus dem anfänglichen Versteckspiel ist ein unterhaltsames Katzenkino geworden. Jeden Tag werden Curtis und Jessie ein bisschen zutraulicher, trauen sich ein wenig mehr, fühlen sich sicherer in der neuen Umgebung.

Bei Curtis ging es ganz schnell. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt, kam er eines Abends zu Gitte und lies sich streicheln und knuddeln. Seitdem fordert er seine Streicheleinheiten von uns mit kräftigem Boxen ein. Am deutlichsten zeigt sich das, wenn ich versuche am Rechner zu arbeiten. Blitzschnell sitzt er zwischen mir und der Tastatur, boxt mit dem Kopf gegen meinen Arm und verhindert wirkungsvoll jegliche Beschäftigung mit dem Technikspielzeug :). Und er scheint handwerklich begabt zu sein: schon drei Mal hat er Gittes Strickzeug aus dem Korb gezerrt, die Wolle kunstvoll um ein Tischbein geschlungen, ein Knäuel sogar ins Wohnzimmer verschleppt.
So aktiv und zutraulich er in den Abendstunden auch ist, tagsüber versteckt er sich zum schlafen im Kleiderschrank im Schlafzimmer. Ist die Türe zu, geistert er ruhelos durchs Haus – wir haben erst mal nachgegeben und lassen ihm seine Höhle zwischen den Klamotten. Sobald er sich sicherer fühlt, wird er diesen Schutz nicht mehr brauchen und sich einen bequemeren Platz suchen.

Die Vorsichtige

Jessie hingegen ist deutlich vorsichtiger. Zwar hat sie ihren Platz auf dem für uns unzugänglichen Wohnzimmerschrank gegen das oberste Regalbrett eines Bücherregals eingetauscht (da liegt auch eine kuschelige Wolldecke drauf:), aber zum Schmusen kommt sie noch nicht her. Zugelassen hat sie es allerdings schon zwei Mal; vor lauter Aufregung ist sie dabei aber beim letzten Mal vom Sofa gekippt und gewaltig erschrocken. Immerhin sucht auch sie unsere Nähe, kommt ins Zimmer wenn sie uns hört, rennt nicht gleich davon, wenn wir an ihr vorbei gehen. Doch sie bestimmt den Zeitpunkt, wann sie uns vertraut; so schwer es uns auch immer wieder fällt, die dicken, schwarzen Pfoten eben nicht zu streicheln, die sie über ihr Regalbrett hinaus in die Luft streckt. Eine Lektion in Geduld für Gitte und mich!

Neu für uns ist auch, wie die beiden miteinander umgehen. Sitzt sie am Fenster und er kommt angeschlichen, erntet er ein Fauchen und sucht das Weite. Hört er uns mit ihr Sprechen, kommt er aus dem hintersten Winkel angeflitzt, boxt und schnurrt und vertreibt sie mir einem einzigen Blick. Das Futter hingegen teilen sie sich geschwisterlich, auch wenn Curtis ein bisschen zu kurz kommt, wenn er den ganzen Tag im Schrank verschläft.

Ich habe ein paar Fenster und die Türe zum Garten mit stabilen Fliegengittern versehen. Da sitzen sie nun immer öfter davor und sehen raus. Doch solange beide noch so schreckhaft sind, ist die Welt ausserhalb unseres Hauses noch tabu für die Zwei. Aber es ist absehbar, das die Zwei das Haus verlassen und noch eine neue Welt entdecken dürfen.

Ab Montag sind wir wieder im Büro, der Katzen-Eingewöhnungs-Urlaub ist vorbei. Damit ändert sich der Tagesrythmus noch einmal und das tägliche Katzenkino geht in die nächste Runde. Ich bin schon gespannt, was die Beiden für uns parat halten, wenn wir Abends nach Hause kommen ;-).

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