blinder fleck


Ich soll mal was über Arschlöcher schreiben!? Na gut, auch dazu habe ich meine ganz eigene Meinung, auch wenn ich persönlich diese derbe Bezeichnung kaum gebrauche.
Sie laufen mir immer wieder mal über den Weg – vielleicht weil ich mich selber auch immer wieder mal wie eines verhalte? Der Fahrer des roten Audi-Cabrios heut Morgen zum Beispiel, der im Schneechaos glaubt überholen zu müssen, um gleich darauf quer auf der Fahrbahn zu stehen. Dieser kurze Eindruck reicht für die Be- und Verurteilung eines Menschen. Die Kürze des Eindrucks ist denn auch die einzige Entschuldigung dafür. Denn die fehlende Bereitschaft, ein klein wenig über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, mag ich nicht so leicht entschuldigen. Vielleicht hat sich der Fahrer einfach überschätzt, wusste nicht, das es gleich eng wird, war nicht ganz ausgeschlafen? Wie hätte ich reagiert, wenn er einen alten VW Käfer gefahren und kein Land-Kennzeichen gehabt hätte?
Und wie oft hat sich schon gezeigt, das sich so ein Arschloch auf den ersten Blick bei näherer Betrachtung als ganz netter Mensch herausstellt. Der eben auch seine Macken, Kanten und Ecken hat, wie ich sie selbst auch habe. Es ist immer leichter den Splitter im Auge des anderen zu sehen als das Brett vor dem eigenen Kopf. Woher nehme ich das Recht, meinen blinden Fleck als etwas Besonderes zu betrachten? Er ist es nicht, genau so wenig wie ich etwas besonderes bin.
So gesehen sind wir alle auf die eine oder andere Weise Arschlöcher, womit diese Einordnung überflüssig wäre – zumal die damit verbundenen Gefühle mein Leben alles andere als angenehm machen.

Nein ich liebe nicht alles und jeden, es gibt immer wieder Leute, die ich auch bei noch so wohlwollender Betrachtung nicht leiden können will. Deren Art und Weise, mit ihren vermeintlichen Unzulänglichkeiten umzugehen mir so fremd ist, dass ich sie nicht verstehen will! Doch das bedeuted nur, dass ich keinen Wert auf ihre Nähe lege – ihr Wert als Mensch wie Du und ich bleibt davon unberührt. Ich mache es mir etwas zu leicht? Wieso sollte ich es mir schwer machen?!

„Gerade das ist es ja, das Leben, wenn es schön und glücklich ist ein Spiel! Natürlich kann man auch alles mögliche andere aus ihm machen, eine Pflicht oder einen Krieg oder ein Gefängnis, aber es wird dadurch nicht hübscher.“
Hermann Hesse (Die Morgenlandfahrt)

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