Archiv für Mai, 2006

schöner schein

MünchhausenHöher, schneller, weiter. Und am wichtigsten: immer schön den Schein waren - Hauptsache, ich verkaufe mich gut! Da sitzen 8 Leute aus drei oder vier verschiedenen Lagern am runden Tisch und sollen eine konstruktive Lösung erarbeiten. Aber es sind eben immer einige dabei, denen es in erster Linie um den guten Eindruck geht, den es zu hinterlassen gilt. Da wird wild mit themenfremden Fachbegriffen um sich geworfen, werden „allgemeine Bedenken“ geäußert, Zuständigkeiten in Frage gestellt, Sätze grundsätzlich mit „Ja aber …“ begonnen. Noch ein paar flapsige Bemerkungen gerissen und damit unauffällig vom Nicht-Verstehen abgelenkt und dann „War’s das jetzt? Ich habe es nämlich etwas eilig!“: 11:45 Uhr, gleich Mittagspause.

Nicht das ich die Leute verurteile, in den meisten Konzernen geht es so zu. Wer sich gegen den Strom stemmt, reibt sich auf und geht recht schnell unter. Und es geht ja jeder seinen eigenen Weg, der in nichts besser oder schlechter als irgend ein anderer wäre. Ich habe bloß keine Lust mehr, mich dem auszusetzen. Es ist nicht mein Weg!

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für dich, papa

Zum Vatertag haben wir zwei schon sehr lange nichts mehr gemacht, gell?! Nun hätte ich Dich gerne dabei gehabt heute beim Ausflug nach Ettal. Die Klosterbrauerei ist schmeckenswert 🙂 – vielleicht kennst Du sie ja. Den folgenden Blick von Oben aber kennst Du sicherlich nicht:
Kloster EttalBlick zurückNotkarspitzeAussichtEnzian
Und weil das mit dem Gehen nicht mehr so recht klappt bei Dir, habe ich Dich heute in Gedanken ein gutes Stück hoch getragen.
Natürlich gehört diese Tour auch zu unserem Trainingsprogramm für den Traumpfad Müchen – Venedig. Wir sind von Ettal auf die Notkarspitze und dann über die Kuhbachalm und Graswang wieder zurück. 1.000m Auf- und 1.000m Abstieg, reine Gehzeit ca. 7 Stunden. Die letzten 1,5 Std. ein endloser Fahrweg, der uns die Freude an der ansonsten wunderschönen Tour nicht trüben konnte.

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Einfach und doch kompliziert

Jeder von uns kennt diejenige art von zwischenmenschlicher Kommunikation, in der um den heissen Brei geredet wird. Egal um was es geht: Freundschaften, Beziehungen, Vorgesetze, Bekannte, Familie, usw… Das Gespräch beginnt und durch eine taktik die man sich vorher bewusst oder unterbewusst eingeredet hat versucht man Kontrolle zu bewahren, damit alles so verläuft wie man sich das ausgemalt hat. Bestes Beispiel: das Kennenlernen von Mann und Frau. Jeder hat es schon mitgemacht. Man sieht jemanden und wenn der erste Eindruck passt, fängt das Problem schon an. Wie spricht man den anderen an? Warum gibt es wohl so viele bescheuerte anmachsprüche? Weil nur die wenigsten menschen es können, in einer offenen, direkten Weise das gegenüber anzusprechen. Jeder hat ein seltsames Gefühl. Ob er spricht oder angesprochen wird. Man hat ja sogar ein bisschen Angst davor. Und warum? Lächerlichkeit?

Egal um was es geht, der häufigste grund ist doch: man denkt, der andere könnte denken…

Anderes Beispiel sind die lieben Verwanten oder Bekannte. Wer von uns hat Tante Frieda oder den nerfenden Kumpel schon mal gefragt, ob die Person kein eigenes leben hat? Planlose Giftfragen, die nur dem Zweck dienen, Vergleiche zu schaffen in denen sich das gegenüber dann behaupten kann. Wirklich interessieren tut es nämlich niemanden.aber wir halten den Mund… um des lieben friedens Willen.

Immer wieder haben diese Situationen, in denen der Kopf was anderes sagen möchte, als der Anstand zulässt. Aber warum unterziehen wir uns dieser Tortur? Warum sagen wir dem anderen nicht direkt wie scheise er ist ist, oder das wir ihn lieben. Einige Menschen in unserem Leben würden wir „verlieren“, aber in unserem Inneren wäre dann ein vollkommen freies und gutes Gefühl und wir haben nur noch Menschen in unserem Leben, die wir und die uns zu schätzen wissen.

Hach ja… Ich könnte ein Buch schreiben: „Was wir denken und nicht sagen“

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warum in die ferne schweifen

AdelsriedWir hatten heute keine Lust auf eine lange Anfahrt in die Berge. Und da die erste Etappe des Traumpfades München – Venedig mit einer 35km Tour entlang der Isar anfängt, will auch das trainiert werden. Vorbelastet mit einem sauberen Muskelkater vom Fitnessstudio am Freitag haben wir uns also auf eine knapp 30km lange Rundtour in Augsburg’s westlichen Wäldern aufgemacht. Es hat schon was für sich, direkt von der Haustüre aus loslaufen zu können.

Doch so schön die Gegend um Welden auch ist, sie hat auch ihre Nachteile: auf halbem Weg liegt der Peterhof, und der lockt nicht nur mit einem Biergarten – was angesichts der noch vor uns liegenden Strecke eh tabu wäre. Nee, da gibt es auch noch lecker Kuchen! Aber wir haben der Versuchung tapfer wiederstanden und erst im Bräustüble in Bonstetten die Energiereserven mit echt bayrischem Grundnahrungsmittel aufgefüllt. Es hat gerade so gereicht für die restlichen 4km nach Hause!

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spielernatur

spielernaturDu kannst es drehen und wenden wie Du magst: die Begegnung mit einem unangenehmen Menschen fühlt sich immer blöd an. Jetzt kannst Du natürlich im nachhinein Dein Hirn einschalten und denken: „Naja, die hatte viellleicht eine schwere Kindheit. Oder einfach nur einen schlechten Tag. Und außerdem lebt jeder sein eigenes Leben, kein Weg ist besser als der andere. Also was soll’s.“
Blöd fühlst Du Dich trotzdem.

Wie wäre es aber, wenn Du schon in der Situation auf die Idee kämst, dass genau dieses Gefühl die Hauptsache an der Geschichte ist? Das das Spiel nicht heißt „Wie begegne ich einem arroganten / jammernden / coolen / schnippischen Menschen?“, sondern Dreh- und Angelpunkt Dein Dir eigener Umgang mit dem Gefühl ist, welches durch diese Begegnung hervorgerufen wird!?
Plötzlich wird aus dem gerade noch unangenehmen Zeitgenossen jemand, der Dir die Möglichkeit gibt, Dich neu zu spüren. Ärger, genervt sein, Langeweile oder Wut könnten mit einem mal der Idee weichen, die Situation als Chance und Herausforderung wahr zu nehmen: „Kann ich trotzdem ruhig und zufrieden bleiben? Ohne auf- oder abzuwerten? Bleib ich in meiner Mitte?“.

Und vielleicht wird das leise Lächeln, dass Dein Gesicht langsam entspannt und einnimmt, ja begleitet von dem Gedanken: „Du lebst ja in einer interessanten Welt! Die ist ja wie geschaffen für Dich, passt zu Deinem Gesichtsausdruck ebenso wie zu Deinen Worten und Deiner Gestik. Nichts für mich, schon klar – aber es ist ja auch Deine Welt :)“.

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