Einfach und doch kompliziert


Jeder von uns kennt diejenige art von zwischenmenschlicher Kommunikation, in der um den heissen Brei geredet wird. Egal um was es geht: Freundschaften, Beziehungen, Vorgesetze, Bekannte, Familie, usw… Das Gespräch beginnt und durch eine taktik die man sich vorher bewusst oder unterbewusst eingeredet hat versucht man Kontrolle zu bewahren, damit alles so verläuft wie man sich das ausgemalt hat. Bestes Beispiel: das Kennenlernen von Mann und Frau. Jeder hat es schon mitgemacht. Man sieht jemanden und wenn der erste Eindruck passt, fängt das Problem schon an. Wie spricht man den anderen an? Warum gibt es wohl so viele bescheuerte anmachsprüche? Weil nur die wenigsten menschen es können, in einer offenen, direkten Weise das gegenüber anzusprechen. Jeder hat ein seltsames Gefühl. Ob er spricht oder angesprochen wird. Man hat ja sogar ein bisschen Angst davor. Und warum? Lächerlichkeit?

Egal um was es geht, der häufigste grund ist doch: man denkt, der andere könnte denken…

Anderes Beispiel sind die lieben Verwanten oder Bekannte. Wer von uns hat Tante Frieda oder den nerfenden Kumpel schon mal gefragt, ob die Person kein eigenes leben hat? Planlose Giftfragen, die nur dem Zweck dienen, Vergleiche zu schaffen in denen sich das gegenüber dann behaupten kann. Wirklich interessieren tut es nämlich niemanden.aber wir halten den Mund… um des lieben friedens Willen.

Immer wieder haben diese Situationen, in denen der Kopf was anderes sagen möchte, als der Anstand zulässt. Aber warum unterziehen wir uns dieser Tortur? Warum sagen wir dem anderen nicht direkt wie scheise er ist ist, oder das wir ihn lieben. Einige Menschen in unserem Leben würden wir „verlieren“, aber in unserem Inneren wäre dann ein vollkommen freies und gutes Gefühl und wir haben nur noch Menschen in unserem Leben, die wir und die uns zu schätzen wissen.

Hach ja… Ich könnte ein Buch schreiben: „Was wir denken und nicht sagen“

  1. #1 von norbert am 22. Mai 2006 - 23:53

    Der Mensch ist halt ein Rudeltier. Sage ich jemanden meine Meinung ins Gesicht, laufe ich Gefahr, dass ich nicht mehr gemocht werde, aus dem (Mini-)Rudel verstossen werde – und alleine habe ich keine Chance zu überleben! So schwarz auf weiß klingt das erst mal ziemlich lächerlich, doch der Impuls aus den Urzeiten unseres Seins ist da und wird auf einer subtilen Ebene immer noch so interpretiert. Das funktioniert auch anders herum: hinter der Angst mich Lächerlich zu machen und zurück gewiesen zu werden, steckt letztendlich auch die Angst vor dem Verlust der Zugehörigkeit – auch wenn diese faktisch noch garnicht hergestellt ist.
    Hübsch spannend ist nun die Frage, warum ich immer wieder in Situationen gerate, in denen ich genau dieses Gefühl „Was wir denken und nicht sagen“ erlebe?! Jörg Starkmuth hat das in seinem Buch Die Entstehung der Realität gut erklärt – hier eine Leseprobe.

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