Archiv für Mai, 2007

soundcheck

MischpultDumpf und dunkel klingt sie, mehr ein Pochen als ein Rythmus. Leise, ganz leise, kaum hörbar. Umso deutlicher spürst Du, wie sie Dein Herz zusammen schnürt und Dir Momente später ein eklig flaues Gefühl im Magen macht. Du kannst sie fühlen, wenn Du einen Raum betrittst oder sie einen Menschen beherrscht.

Doch sie ist nur eine Schwingung, eine Frequenz, wie alles andere auch. Du bist nicht gewohnt, sie wahr-zu-nehmen; obwohl sie fast immer da ist. Dreh den Regler etwas weiter auf, hör genau hin. Lass Dich auf sie ein und fürchte Dich nicht vor ihr. Sie ist wie ein kleines, schreiendes Kind – das nimmst Du auch in den Arm und liebst es. Und so wie sich das Kind beruhigt, hört auch sie auf, Dir Schrecken zu bereiten.
Es wird seine Zeit brauchen, sie hat viele Facetten. Doch Du kannst nur verändern, was Du erkennst. Wann stellst Du Dich Deiner Angst?

Inspiriert von Jwala und Karl Gamper und dem Adlerflug.

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geht doch

BlattstrukturIm Hier und Jetzt leben – wie soll ich mir das vorstellen? Na mal schaun:

Ich kann meine Aufmerksamkeit ja auf einen überschaubaren Zeitraum richten, so eine Woche oder den aktuellen Tag vielleicht. Ist ja schon mal was. Und allemal besser als Jahre zurück in der Vergangenheit rumzuhängen oder wer weiß wie weit in die Zukunft zu träumen.
Aber Hier – wo ist das im Verlauf eines Tages? Und Jetzt zieht sich dann auch ganz schön in die Länge! Also die Zeitspanne kürzer wählen. Eine Stunde, eine Minute oder besser noch eine Sekunde! Recht viel besser ist das allerdings auch nicht. Was mir in einer Sekunde alles durch den Kopf geht – das hat mit Jetzt immer noch nicht viel zu tun. Wie lange dauert denn Jetzt?
Egal wie klein ich den Zeitraum auch bemesse, es wird immer noch ein Zeitverlauf da sein. Jetzt ist aber ein Zeitpunkt und keine Dauer. Und da fängt es an schwierig zu werden. Um wirklich im Hier und Jetzt zu leben, müsste ich die lineare Zeit verlassen und damit auch den zugehörigen Raum – die beiden sind ja untrennbar miteinander verbunden.

Dasitzen, die Augen geschlossen. Das Summen der Bienen im Ohr, Vogelgezwitscher, jemand gießt seinen Garten, ein Auto fährt vorbei. Ich konzentriere mich auf den Schmerz im Rücken, suche mir genau einen Punkt heraus, fühle immer intensiver hinein. Der Schmerz wird deutlicher, wie ein stechender kleiner Punkt. Die Signale brauchen ihre Zeit, um vom Rücken ins Gehirn zu kommen, also gehe ich noch tiefer in den Schmerzpunkt. Weiter, immer weiter. Der Schmerz wird erst intensiver, dann auf einmal … diffus, schwächer, nebulöser?!
Die Geräusche verdichten sich zu einem einheitlichen Hintergrundgeräusch, das Gefühl des Windes auf meiner Haut vermischt sich mit dem Schmerz im Rücken. Rücken, welcher Rücken? Einen Moment lang „schwebe“ ich losgelöst im „Nichts“, dann durchströmt mich ein sanfter Schauer – ich bin wieder da.

Na also, geht doch.

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projektion

Spiegelwelt am WertachuferNein, die Welt steht nicht Kopf. Schon seit Urzeiten wird alles teuerer, werden die Menschen immer rücksichtsloser, versucht der Staat immer mehr Kontrolle zu bekommen, werden die Mächtigen immer mächtiger, geht die Natur Stück für Stück zugrunde, steht eine vermeintliche Minderheit etwas ausserhalb und findet das alles sehr seltsam. Ok, das Tempo erhöht sich stetig, wir werden ja auch immer mehr.

Was sich verändert, ist mein Standpunkt, meine Sichtweise. Ich verliere mehr und mehr meine Angst und habe damit keine Notwendigkeit mehr für all die unsinnigen Handlungen. Solange ich den guten alten Zeiten nachtrauere oder über die schwere Kindheit sinniere, brauche ich mich nicht mit dem auseinander setzen, was Hier und Jetzt passiert. Und gehe sauber der Angst aus dem Weg, mich im Spiegel zu sehen und zu merken, das ich mein Leben an mir vorbei ziehen lasse oder nur auf Sparflamme lebe. Gleiches gilt für die Phantastereien vom Auswandern, dem Häuschen in den Bergen oder das Vorausfürchten: Arbeitslosigkeit, Überwachungsstaat, Einsamkeit, Rentenloch, … Die (Zeit-)Richtung ist eine andere, die Angst die gleiche. (Das lässt sich ja auch prima vermarkten: das richtige Bier trinken und du hast viele Freunde, ein paar Versicherungen und du wirst einen glücklichen Lebensabend haben, …)

Durch den Zerrspiegel der Angst betrachtet scheint alles etwas aus den Fugen geraten zu sein. Doch ich sehe nicht, was wirklich ist, sondern projeziere lediglich meine eigene Angst in das Geschehen. Bleibe ich bei mir, hier und jetzt, sehe ich sich im Fluß spiegelnde Bäume, ein paar kleine Wellen und etwas Grünzeug am Ufer, das Ganze garniert mit blauem Himmel, Vogelgezwitscher und dem weichen Licht der untergehenden Sonne. Nichts ist verkehrt, kein Grund zur Sorge, nur Friede und Schönheit.

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hingabe

WertachuferMich wieder einmal zwei Stunden durch die Stadt treiben lassen, durch ruhige Seitenstrassen und friedliche Grünanlagen. Die letzte halbe Stunde dann am Wertachufer auf einem Stein sitzend verbracht, den sprudelnden Wassern nachgeschaut, dem lauten Plätschern gelauscht.
Bis der Fluss mit einem mal langsamer wurde, sich die wilden kleinen Spritzer zu einem feinen Nebel zusammen getan haben, das vorher ungestüme Wasser wie flüssiges Metall um die Steine geflossen ist und sich das vielstimmige Plätschern zu einem ruhigen, weichen Rauschen verdichtet hat.

Vielleicht fühlt es sich so an, sich dem Fluss des Lebens hinzugeben, die Vergänglichkeit des Momentes zu akzeptieren und sich der Unaufhaltsamkeit steter Veränderung anzuvertrauen?!

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abwarten

BaumpythonFast jeden Abend sitze ich am Rechner und stöbere in den Gebrauchtwagenseiten – ein neues Auto muss her. Doch was mir gefällt, ist unpraktisch oder zu teuer. Und was der Geldbeutel noch zulässt, ist unpraktisch oder fade. So drehe ich mich nun dauernd im Kreis und komme keinen Schritt weiter.

Plane ich zuviel? Oder habe ich mich am Ende noch nicht wirklich entschlossen:

„In dem Augenblick, wo man sich endgültig verpflichtet, tritt auch die Vorsehung in Aktion. Alle möglichen Dinge kommen einem zu Hilfe, die anders nie geschehen wären. Ein kraftvoller Strom von Ereignissen geht aus einer verbindlichen Entscheidung hervor und bewirkt auf mannigfache Weise unvorhersehbare Situationen, Begegnungen und materielle Unterstützung, deren Eintreten man sich nie hätte träumen lassen.“
Karl Gamper – einem Text von W. H. Murray nachempfunden; The Scottish Himalayan Expidition, J.M. Dent & Sonst Ltd. 1951.

Manchmal würde ich mich am liebsten zusammen rollen und einfach abwarten.

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