offen bleiben


BaumstammMeistens bin ich ja der Besserwisser. Klar, ich versuche mich zu beherrschen, aufmerksam und offen zu bleiben. Doch meistens habe ich eben doch eine recht genaue Vorstellung, wie es wirklich ist – für mich. Und genau da beginnt es spannend zu werden: Meine vorgefasste Idee von Irgendwas verhindert, dass ich genau hinschaue, wirklich zuhöre, mich ganz einbringe.

Schau Dir mal das Bild an und schreibe mir, was Du siehst. Dann schau es Dir morgen nochmal an. Und übermorgen. Es kann leicht sein, dass Du jedesmal etwas Neues entdeckst. Selbst wenn sich die Welt nicht ändern würde -so wie dieses Bild jeden Tag das selbe sein wird-, ändern wir uns. Und damit ändert sich auch unsere Wahrnehmung.

In times of change the learners will inherit the earth, while the knowers will find themselves beautifully equipped to deal with a world that no longer exists. In Zeiten steter Veränderung erbt der Lernende die Welt, während die Wissenden bestens gerüstet sind für eine Welt, die es nicht mehr gibt.
Eric Hoffer

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  1. #1 von Catharina am 11. Februar 2008 - 09:47

    Der Baumstamm hat etwas sehr sinnliches. Ich spüre sprichwörtlich das weiche Moos, gleite mit meinen Händen weiter über die borkige Rinde…atme dabei tief die frische feucht-moosige Luft ein…! Super schön!

  2. #2 von Gisela am 11. Februar 2008 - 19:11

    Lieber Norbert,
    ich gebe ja nun wirklich äußerst selten einen Kommentar zu Deinen Beiträgen ab, aber heute muss ich es einfach mal tun. Für mich ist der Baumstamm ein „alter Geselle“, der schon viele, viele Jahre auf dem Buckel hat und so manches erlebt hat. Er gewährt mit seien Narben so manchen Tieren Unterschlupf und wird vom Moos gewärmt – dass ist das Schöne, aber ein wenig stellt sich mir die bange Frage, ob er noch ein Baum ist, oder nur noch ein Stamm. Schade, würde ich gerne wissen.
    So weit mein heutiger Blick auf diese wunderbare Bild.
    Viele liebe Grüße
    Gisela

  3. #3 von norbert am 11. Februar 2008 - 22:10

    Hallo Gisela,
    schön, dass Du noch da bist. Ich kann Dich beruhigen, es ist noch ein ganzer Baum – hier etwas besser zu erkennen 🙂

  4. #4 von Gisela am 12. Februar 2008 - 19:29

    Hallo Norbert,
    Danke für Deine Nachricht und dem vollständigen Bild. Bin nun ein wenig beruhigt 🙂
    Habe heute im Laufe des Tages häufig an den Baum gedacht und viele Parallelen zum Leben gefunden.
    Hatten heute einen wunderschönen Frühlingstag und ich freue mich schon sehr darauf, wenn die Bäume wieder grün werden.
    Viele liebe Grüße aus dem Ruhrgebiet.
    Gisela

  5. #5 von norbert am 12. Februar 2008 - 22:50

    @Catharina und Gisela: Ihr beiden habt mir die Augen (oder besser das Herz?) für eine ganz andere Betrachtungsweise geöffnet – danke!

    Ich habe den Stamm zuerst „nur“ ganz nüchtern mit dem Verstand gesehen. Eine Frau sitzt da und guckt nach rechts, spitze Brüste, der knochige rechte Arm stützt sich auf ein ebenso knochiges Knie. Apropo Arm: In Höhe des Ellenbogens ist ein Gesicht versteckt. Es schaut lächelnd nach links, spitze Nase, Glatze.
    Es gibt keine absolute Wirklichkeit, Objekt (Baumstamm) und Subjekt (Betrachter) sind untrennbar miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig. Oder ist das schon wieder der Besserwisser in mir?!

  6. #6 von Catharina am 13. Februar 2008 - 18:02

    Wouw, was Du da alles siehst ist erstaunlich, ich habe jetzt lange versucht beschriebenes darin zu sehen, aber bis auf eine spitze kleine Brust (oben rechts)kann ich nichts erkennen! Lieben Gruß, Ina

  7. #7 von Gisela am 13. Februar 2008 - 18:21

    Hallo Norbert,
    beim Betrachten Deines Baum-Bildes ist mir zunächst mehr das menschliche Leben in den Sinn gekommen.
    Nachdem ich nun Deine Betrachtungsweise des Baumes gelesen habe, habe ich mir das Bild noch einmal angeschaut und bin erstaunt darüber, dass ich die „Baumfrau“ nicht sofort gesehen/erkannt habe. Es ist schön, dass Du diesen Blick bewahrt hast. Ich erinnere mich daran, dass ich als Kind im Dielenboden auch immer Gesichter und Tiere gesehen habe. Auch in meinem Alter (bin 57) ertappe ich mich häufig dabei, am Himmel „Wolkentiere“ zu suchen 🙂 und die Bilder von Escher mag ich auch sehr.
    Es gibt keine absolute Wirklichkeit…… und Du bist noch lange kein Besserwisser.

    Alles Liebe und Gute
    Gisela

    P.S. Ich freue mich immer sehr auf Deine neusten „Hirngespinste“.

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