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flashback

FlashbackIch gehe eine Strasse entlang, irgendwo wird gerade renoviert. Der Geruch von frischem Lack steigt mir in die Nase. Für einen kurzen Moment sehe ich blitzenden Chrom, hochglanz-polierten Lack, Räder. Ein paar Schritte weiter kitzelt es in der Nase – stimmt, Staub war da; irgendwo war immer Staub von frisch geschliffenem Autolack.

Mein Vater war Autolackierer, und ab und zu haben wir Kinder ihn an Mamas Hand in der Werkstatt besucht. Mit großen Augen habe ich immer alles bestaunt – nur riechen, gucken, nichts anfassen. Ich habe den Geruch von Nitrolack immer gemocht, mag ihn heute noch.

Das Thema der Woche 12 von Saris Projekt 52 heisst Kindheitserinnerungen. Ich erinnere mich an so einiges, aber die Intensität des vom Geruch ausgelösten Flashbacks finde ich immer wieder am erstaunlichsten. Das Bild ist nicht bearbeitet (ok, verkleinert und Projekt 52 Logo dazu kopiert:), ich habe während des Wegzoomens ausgelöst. 15 Versuche hat es schon gebraucht, um meinen Pickup so abzulichten, wie ich es im Sinn hatte.

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projektion

Spiegelwelt am WertachuferNein, die Welt steht nicht Kopf. Schon seit Urzeiten wird alles teuerer, werden die Menschen immer rücksichtsloser, versucht der Staat immer mehr Kontrolle zu bekommen, werden die Mächtigen immer mächtiger, geht die Natur Stück für Stück zugrunde, steht eine vermeintliche Minderheit etwas ausserhalb und findet das alles sehr seltsam. Ok, das Tempo erhöht sich stetig, wir werden ja auch immer mehr.

Was sich verändert, ist mein Standpunkt, meine Sichtweise. Ich verliere mehr und mehr meine Angst und habe damit keine Notwendigkeit mehr für all die unsinnigen Handlungen. Solange ich den guten alten Zeiten nachtrauere oder über die schwere Kindheit sinniere, brauche ich mich nicht mit dem auseinander setzen, was Hier und Jetzt passiert. Und gehe sauber der Angst aus dem Weg, mich im Spiegel zu sehen und zu merken, das ich mein Leben an mir vorbei ziehen lasse oder nur auf Sparflamme lebe. Gleiches gilt für die Phantastereien vom Auswandern, dem Häuschen in den Bergen oder das Vorausfürchten: Arbeitslosigkeit, Überwachungsstaat, Einsamkeit, Rentenloch, … Die (Zeit-)Richtung ist eine andere, die Angst die gleiche. (Das lässt sich ja auch prima vermarkten: das richtige Bier trinken und du hast viele Freunde, ein paar Versicherungen und du wirst einen glücklichen Lebensabend haben, …)

Durch den Zerrspiegel der Angst betrachtet scheint alles etwas aus den Fugen geraten zu sein. Doch ich sehe nicht, was wirklich ist, sondern projeziere lediglich meine eigene Angst in das Geschehen. Bleibe ich bei mir, hier und jetzt, sehe ich sich im Fluß spiegelnde Bäume, ein paar kleine Wellen und etwas Grünzeug am Ufer, das Ganze garniert mit blauem Himmel, Vogelgezwitscher und dem weichen Licht der untergehenden Sonne. Nichts ist verkehrt, kein Grund zur Sorge, nur Friede und Schönheit.

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