Beiträge getagged mit raum

zurückerobern

Der Regen hat mir noch 2 Tage Frist gewährt, bevor es ab in die Berge geht. Und so habe ich heute doch noch das alte Gemäuer für Sari’s Thema der 27. Woche im Projekt 52 gefunden.

In beinahe jeder Ritze der alten Mauer (sie ist Teil der alten Stadtmauer Augsburgs, zwischen Vogel- und Jakobertor) hat sich ein Pflänzchen festgesetzt. Gedeiht langsam, lockert den Mörtel, schafft sich mehr und mehr Raum … bis eines Tages die Mauer den Halt verliert und zusammen bricht.

Wie lange es wohl dauert, bis sich die Natur zurückerobert hat, was wir an Raum geliehen haben?

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struktur

StrukturViel zu schnell kommt es mir vor, viel zu lange dauert es. Das schnelle Stakkato zerhackt die Umgebungsgeräusche in gleichmäßig kleine Stücke. Es will mich abholen, doch ich bin schon lange nicht mehr in diesem Tempo Zuhause. Endlich, endlich wird es langsamer und gleichzeitig auch eine Spur tiefer. Aber noch immer ist es ein gutes Stück von meinem Allagstempo entfernt und ich übe mich in Geduld, gehe schon mal ein Stück voraus. Ich weiß es wird mich einholen, mich erreichen und weitergehen – mit mir im Schlepptau.

Nach ein paar Minuten ist es da und ich klinke mich ein. Das plötzliche Absinken von Rythmus und Frequenz fühlt sich wie ein kleiner Ruck an, sofort sinke ich ein Stück tiefer. Die Aussenwelt tritt zurück, nur noch gedämpft dringen Geräusche zu mir vor. Tiefer und immer tiefer geht es, kleine Schauer jagen durch meinen Körper, ich fühle mich immer fester mit dem Holzdeck verbunden. Ein Teil von mir spürt noch den Wind um mich herum, die leichten Vibrationen des Bodens, wenn jemand vorüber geht – Sehen und Hören nach Draussen ist schon lange abgeschaltet.
Mein Zeitgefühl ändert sich. Während der Rythmus über weite Strecken konstant bleibt, kommt es mir so vor, als würde er immer langsamer. Tatsächlich aber erhöht sich meine Frequenz, nehme ich mehr und schneller wahr. Doch da ist nichts, was es wahrzunehmen gäbe, nichts ausser mir selbst.

Und dann taucht die Grenze auf, wohlbekannt und doch immer wieder unerwartet und plötzlich. Der letzte kleine Rest Kontakt zum Aussen reißt ab, Raum und Zeit verlieren rasend schnell an Bedeutung, verschwinden schließlich ganz.
Ich bin ein Funke in einem Meer aus Dunkelheit …
Ich bin Alles und Nichts …
Ich bin …
Ich …

Ein leiser, vorsichtiger Rythmus ruft mich, wird langsam, ganz langsam schneller. Zeit und Raum kehren zurück, Geräusche und Lichter dringen zu mir vor, ich spüre den warmen Holzboden unter mir – die Realität erhält wieder Form und Struktur.
Nur eine knappe halbe Stunde war ich unterwegs, doch mir kommt es wie eine kleine Ewigkeit vor.
Ich liebe diese kurzen Reisen mit der Mindmachine.

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selbstverständnis

SelbstverständnisWas siehst du? Was siehst du nicht?
Du gehst eine Strasse entlang. In einiger Entfernung erkennst du einen Mann, der dir entgegen kommt. Noch ein Stück weiter führt eine Frau einen Hund spazieren. Klick, Momentaufnahme! Beschreibe, wie viele Lebewesen auf der Strasse unterwegs sind und ihre Entfernungen zueinander.

Wir sind vier.

Nein, wir sind mehr. In den Bäumen sehe ich drei Vögel, also sind wir sieben. Der Mann ist achtzehn Meter weit entfernt, die Frau fünfzehn. Der Hund dreizehneinhalb, er zieht ihr voraus, liegt in seinem Halsband. Die Vögel befinden sich in zehn Meter Höhe und sitzen je einen halben Meter auseinander. – Nein! In Wahrheit tummeln sich auf dieser Strasse Milliarden Lebewesen. Nur drei davon sind Menschen. Eines ist ein Hund. Ausser den drei Vögeln sitzen noch 57 weitere in den Bäumen, die ich nicht sehe. Die Bäume selber sind Lebewesen, in deren Blattwerk und Borke Myriaden von Insekten wohnen. Das Gefieder der Vögel besiedeln Milben, ebenso wie die Poren unserer Haut. Der Hund vereint auf seinem Fell eine halbe Hundertschaft Flöhe, vierzehn Zecken, zwei Mücken und in Darm und Magen Tausende winziger Würmer. Sein Speichel ist gesättigt mit Bakterien. Ähnlich besiedelt sind wir, und die Entfernung all dieser Lebewesen zueinander beträgt praktisch null. Sporen, Bakterien und Viren schweben in der Luft, bilden organische Ketten, deren Teil wir sind, verflechten uns alle zu einem Superorganismus, und ebenso verhält es sich im Meer.
Was bist du?

Ich bin in weitem Umkreis die einzige menschliche Lebensform.

Du bist ein Partikel.
Ein Partikel in der Vielfalt. Keinem anderen Menschen gleichst du vollständig, wie keine Zelle einer anderen in jedem Detail gleicht. Irgendwas ist immer anders. So musst du die Welt betrachten. Als Spannbreite von Ähnlichkeiten. Ist es nicht tröstlich, dich als Partikel begreifen zu dürfen, wenn dir dafür Einzigartigkeit zugestanden wird?
Du bist ein Partikel in Raum und Zeit.

[Aus: Der Schwarm von Frank Schätzing]

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resonanz

Einstein hat gezeigt, das Raum und Zeit nicht voneinander getrennt sind, sondern ein Kontinuum bilden. Unser gewohntes Zeitempfinden kommt uns nur deswegen linear vor, weil wir uns alle im selben Rahmen bewegen, wir uns diesbezüglich auf einen gemeinsamen Kontext geeinigt haben. Nur so können wir eine -mehr oder weniger- stabile Realität erleben. In Wirklichkeit existieren weder Vergangenheit noch Zukunft, alles passiert im Jetzt.
Die Quantenphysik zeigt, das Realität -wie wir sie kennen- erst durch den Fokus unserer Aufmerksamkeit entsteht. Solange keiner „hinschaut“, existieren alle nur denkbaren Möglichkeiten parallel und unabhängig voneinander. Erst die bewußte oder unbewußte Ausrichtung auf einen Aspekt verdichtet diese Wahrscheinlichkeitswolke zu dem, was wir als Boden der Tatsachen empfinden.
Wir stehen in ständigem Austausch mit unserer Umgebung, kommunizieren unablässig über Raum und Zeit hinweg mit allem was ist. Wie das funktioniert, weiß noch niemand so recht, dass es so ist scheint gesichert. Ein bißchen nachvollziehbar wird es, wenn ich mit jemandem „auf gleicher Wellenlänge“ bin: es braucht keine Worte, um im Gleichtakt zu sein, so wie die Seiten einer Gitarre mitschwingen, wenn der richtige Ton getroffen wird.

Ich existiere also in allen möglichen Ausprägungen in allen nur denkbaren Zeiten (schon passt das Wort nicht mehr, passiert doch alles JETZT – aber das kann mein Verstand nicht so recht greifen) und kommuniziere fortwährend mit mir selbst. Klar nehme ich mich nur einmal wahr, meine Aufmerksamkeit ist auf diesen einen Punkt konzentriert und kreiert so das Empfinden eines Einzelwesens.
Resonanz Wenn ICH mich nun nicht so wohl in meiner Haut fühle, mir meine Realität nicht schmeckt, der Job nervt, das Wetter am Gemüt zehrt und überhaupt, dann sende ich eine für diese Stimmung ganz charakteristische Botschaft aus – ich will sie mal „Gemütswellen“ nennen. Einer der möglichen Norbert’s in der näheren Zeitumgebung, der sich pudelwohl fühlt und so richtig zufrieden mit sich und der Welt ist, sendet natürlich entsprechend andere Gemütswellen aus. Und ein möglicher Dritter fühlt sich in einem Monat genau so unzufrieden und zerissen wie ICH heute.

Mit welcher dieser zwei Möglichkeiten werde ich wohl in Resonanz gehen, wo wird der Fokus meiner Aufmerksamkeit hingezogen werden und mitschwingen?

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