Beiträge getagged mit Strassencafe

plan b

Alter FalterDie alte Frau geht langsam am Strassencafe vorbei, beide Hände fest an den Griffen ihres Gehwagens. Jeder Schritt scheint mühsam zu sein, der Rücken ist gebeugt, der Blick konzentriert auf das Kopfsteinpflaster vor ihr gerichtet. Sie bleibt stehen, dreht den Kopf und schaut langsam über die Tische und Stühle hinweg. Ein leises Lächeln umspielt ihre Lippen, für einen kurzen Moment entschwindet ihr Blick in weite Ferne, dann wendet sie sich wieder dem Kopfsteinpflaster zu und setzt ihren Weg fort, langsam, bedächtig, still.

Wie werde ich mich fühlen, wenn mein Körper nicht mehr so mitspielt wie ich das will? Wenn der Rücken so lädiert ist, dass an Joggen oder Tanzen nicht mehr zu denken ist. Wenn die Knie verschlissen sind und ich mich nicht mehr beim Bergwandern austoben kann, um den Alltag zu vergessen. Wenn mir ein Arm fehlt oder ich an den Rollstuhl gefesselt bin und die kleine Flucht damit nicht mehr gelingt. Woher beziehe ich dann meine Bestätigung? Werde ich mir selber genügen? Finde ich das Leben noch lebenswert?

Ich habe meinen Plan B, ob kaputter Rücken oder Rollstuhl. Genieße die Tage, auch wenn mein rechter Arm mal drei Monate ausser Gefecht ist. Und wenn nichts mehr geht, habe ich genügend schöne Erinnerungen gesammelt, um mit veträumten Blick vor einem Strassencafe zu stehen und leise zu lächeln.
Und du? Hast Du einen Plan B?

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herbst

HerbstDer Mond versteckt sich mehr und mehr hinter den Wolken, das Funkeln der Sterne ist schon eine Weile verschwunden. Langsam wird es kühler. Bald kommt der Wind und bringt Regen mit. Heute war wohl der letzte schöne Spätsommertag. Gut, dass ich früher aus dem Büro bin und noch eine Stunde im Strassencafe die warme Sonne genossen habe.
Ich bin unruhig seit ein paar Tagen, spüre den Wandel, der sich ankündigt. Und ich habe eine leise Ahnung, dass ich diesmal die Gunst der Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen sollte:

Trau dich. Was immer Du kannst oder erträumst zu können, beginne es.
Kühnheit besitzt Genie, Macht und magische Kraft. Beginne es jetzt.
Johann Wolfgang Goethe

Wohin der Wandel führt? Ich weiß es nicht, will auch garnicht spekulieren. Aber aufmerksam will ich sein, jedes noch so leise Zupfen am dicken Fell der Bequemlichkeit bemerken und dann die welken Blätter der Gewohnheit abschütteln.
Herbst, ich freu mich auf Dich.

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