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Die gute alte Zeit

Die guten alten Zeiten, ja ja. Ich sehe ein altes Bild, höre einen alten Song oder treffe einen alten Freund und sofort werden Erinnerungen wach an diese Zeit. Wie ich mich gefühlt habe, wie sich die Welt für mich angefühlt hat. Wie schön alles damals war und wie einfach.

Aber halt, das stimmt ja garnicht! Es war nicht alles schön und hat sich gut angefühlt, es gab genau so viele Momente die richtig blöd waren. Und von wegen alles easy! Wie oft habe ich gekämpft und gerungen, gezweifelt und gefürchtet.

Und wann fing sie denn eigentlich an, die gute alte Zeit, wann hörte sie auf? Vor 30 Jahren vielleicht – da war ich gerade mal 18. Obwohl … wenn ich an die Ferien denke … als junger Schüler erschienen sie mir endlos, traumhaft, voller Abenteuer – da war ich wohl so 8 oder 9 Jahre alt.
Und wann hat sie aufgehört, gut und alt zu sein? Mit dem Eintritt in den Berufsalltag? Aber nein, selbst verdientes Geld hat mir vollkommen neue Welten eröffnet! Oder die Heirat, ja das klingt nach einem Grund: Verantwortung übernehmen, lernen Kompromisse zu schliessen, sich öffnen ohne sich selbst zu verlieren. Reingefallen! Das sind ja alles schöne Sachen und gute; und alt sind sie auch nicht, es geht ja immer weiter. Jede Zeit hat ihre schönen Seiten und ihre weniger angenehmen. Und was mir heute vielleicht als öder Alltagstrott erscheint, mag in 20 Jahren eine verklärt herrliche Erinnerung abgeben.

Gestern waren wir im Live Musik Museum auf dem Bayern 1 Oldie Festival. Mit Sweet, Slade, Suzie Quattro, Les Humphries Singers Reunion und Chris Thompson (der Stimme von Manfred Man’s Earthband). Die ganzen Hits aus der guten alten Zeit haben sie gespielt, und das auch noch gut (von Slade mal abgesehen, die einfach nur grottenschlecht waren). Es macht schon Spass noch einmal die Songs zu hören, die mich mit 12 oder 13 Jahren begeistert haben und die ich oft in einer Lautstärke gehört habe, die meine Eltern fast zur Verweiflung gebracht hat. Die Bilder und Gefühle zu genießen, die dabei plastisch und zum Greifen real hoch kommen. Einen oder zwei Songs … aber dann ist es wieder gut. Die Zeit damals war schön, doch die Zeit danach auch und erst das Jetzt, dass hat es vielleicht in sich!
Mir gefällt mein Leben heute – und dazu gehört auch Musik von heute. Nicht alles, was gespielt wird gefällt mir; doch das war früher auch nicht anders. Und so höre ich lieber Psychedelic Goa Trance Electronic Grooves als Suzie Quatro (nichts für ungut), genau wie ich meine Bilder am Rechner entwickle statt in der Dunkelkammer und den Kaffee aus dem Vollautomaten lasse, statt ihn selber zu mahlen und aufzubrühen.

Nein, es gibt sie nicht, die guten alten Zeiten. Denn wie sagte Peter Ustinov so schön:

„Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen.“

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did you know?

Wem die Veränderung nicht so gefällt oder wem das mit der (schönen) neuen Welt einfach zu schnell geht, der mag sich zu seiner eigenen Beunruhigung folgenden Film ansehen:

Danke @JoHa für den Link!

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hin und her gerissen

Gezwungenermassen

Gute Führung

Übers Wochenende geht es mit der (fast) kompletten Belegschaft von dynasys in die Berge. Um ehrlich zu sein: rechte Lust habe ich keine, würde lieber Zuhause bleiben und die Füße hoch legen.

Andererseits finde ich es eine tolle Idee von Chef Stephan, uns auf ein Hüttenwochenende einzuladen. Da will ich nicht Aussen vor bleiben, zumal die Mann(und Frau:)schaft ein wirklich netter Haufen ist. Seit ich so viel auf Geschäftsreise bin, sehe ich die meisten Kollegen eh kaum mehr. Da bietet so eine kleine Bergtour eine gute Gelegenheit, den Kontakt wieder aufzufrischen.

Schade nur, dass die Familie (wieder mal) zu kurz kommt. Frau B. wäre sooo gerne mit in die Berge. Doch wenn die Partner dabei wären, bliebe wohl der teambildende Effekt auf der Strecke. Vater liegt (wieder mal) im Krankenhaus, hat heute die Erste von 4 oder 5 Operationen gut überstanden. Ich werde ihn erst am Montag anrufen können – „Gute Besserung!“.

Irgendwie vergeht die Zeit viel zu schnell.

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kurzes vergnügen

Lange habe ich überlegt, wie ich Sari’s 34. Wochenthema „Vergänglichkeit“ für’s Projekt 52 umsetzen will. „Schönheit ist etwas Vergängliches.“ dachte ich zuerst. Aber ich kenne so viele Gesichter alter Menschen, die ich schön finde – vergänglich ist lediglich das in der Werbung gepriesene Ideal. „Ein Grabstein, na wenn das kein Symbol der Vergänglichkeit ist!“. Das Leben ist so richtig vergänglich, genau. Doch nach dem Wochenende an Sammys Krankenbett habe ich erst mal keinen gesteigerten Bedarf, mich mit dem Tod auseinander zu setzen.

Heute dann die zündende Idee: „Genuss ist vergänglich.“. So gut ein Bier schmeckt, so klasse ein Essen schmeckt, so wohl eine Zigarette tut – nach kurzer Zeit schon ist das Gefühl verflogen. Zurück bleibt die Erinnerung an das kurze Vergnügen; und selbst die verblasst.

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übergang

Jemand hat mir mal gesagt, die Zeit würde uns wie ein Raubtier ein Leben lang verfolgen. Ich möchte viel lieber glauben, dass die Zeit unser Gefährte ist, der uns auf unserer Reise begleitet und uns daran erinnert, jeden Moment zu genießen, denn er wird nicht wiederkommen. Was wir hinterlassen ist nicht so wichtig wie die Art, wie wir gelebt haben. Denn letztlich […] sind wir alle nur sterblich.

Jean-Luc Picard

Das zu wissen ist eine Sache, es deutlich vor Augen geführt zu bekommen eine andere. So souverän ich in Zeiten sorgenlosen Alltagas mit der Endlichkeit unseres Lebens umzugehen vermag, so sehr wirft es mich aus der Bahn, wenn ein geliebtes Wesen am Ende seiner Reise durch die Zeit steht. Besuch hat sich angeündigt. Ein seltener Gast ist er, und nur selten gern gesehen. Noch wartet er respektvoll und mit Achtung vor seinem Gefährten, doch sein Kommen ist unausweichlich.

Gevatter Tod steht vor unserem Haus, der Sand in Sammys Stundenglas ist fast abgelaufen. 18 Jahre hatte sie Zeit, schöne Erinnerungen zu sammeln, seit 15 Jahren durften wir Teil ihrer Reise sein. Nun weicht die Kraft aus ihrem Körper, sie kann kaum noch laufen, schläft den ganzen Tag. Die kleine Freundin atmet immer wieder Sekunden lang nicht, dann öffnet sie mit einem Ruck die Augen und schaut nach uns, um den Kopf mit einem tiefen Seufzer gleich wieder auf das Fell sinken zu lassen.

Es ist schwer, jemanden mit Respekt und Achtung auf seinem letzten Weg zu begleiten. Ihn nicht um jeden Preis fest halten zu wollen. Ihm die Zeit zu geben, die er eben braucht und will. Sich dabei nicht selbst zu verlieren. Und kein Wissen dieser Welt hilft dabei – es tut weh.

Update 2008-08-25: Als wir gestern Abend auf der Bank vor dem Haus saßen und Sammy plötzlich neben uns auftauchte, ist mir die Geschichte vom Brandner Kasper und dem Tod eingefallen. Irgendwie hat sie wieder ein klein wenig Energie mobilisiert, sich in den letzten Strahlen der Abendsonne gewärmt, heute Morgen sogar etwas Appetit gezeigt.

Wir wissen nichts vom Anderen, rein garnichts. Was auch immer wir zu wissen meinen, entspringt unseren eigenen Gefühlen, Gedanken, Erwartungen und Ängsten. Doch das Leben kümmert sich nicht darum, ent-täuscht uns leichtfüssig und geht seinen eigenen Weg.

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